Der VfL Wolfsburg ist nicht der Übermannschaft, die viele ihn halten.
Der Abstieg in die zweite Liga war nicht so einfach zu überwinden wie es sich manchmal anhört.
Fangen wir die neue Saison doch gern mal mit drei Sprüchen an, die in dieser oder ähnlicher Form zuletzt öfter mal gefallen sind:
- „Wolfsburg in der zweiten Liga – das ist die schlimmste Form der Wettbewerbsverzerrung, die es im deutschen Profifußball jemals gab.“
- „Und alle, die sich jetzt noch (Mai 2026) über den Relegations-Sieg von Paderborn auf fußballromantische oder diebische Weise freuen, werden ihr böses Erwachen haben, wenn in der nächsten Saison der erste Aufstiegsplatz schon gleich von Anfang an ergeben ist.“
- „Die kaufen einfach mal so mir nichts, dir nichts der Konkurrenz die besten Spieler weg. Wartet nur, den Skyttä schnappen sie sich auch noch.“
Hab ich irgendeines dieser vielfach strapazierten Statements rund um den Abstieg und das Zweitliga-Comeback eines gefallenen Giganten hier vergessen? Bitte einfach gerne in deinem/eurem Antwort-Post ergänzen.
Um’s gleich vorwegzunehmen: Ich habe absolut keine Lust, in diese doch ein wenig larmoyant anmutenden Kehrverse mit einzustimmen. Erstens, weil es gerade bei diesen Überraschungs-Absteigern mit ihrem Mega-Budget schon wiederholt anders gekommen ist, als man erwartet hat. Hamburg, Schalke, Hertha und Konsorten lassen grüßen. Und selbst diejenigen, die es direkt wieder geschafft haben – so zum Beispiel Stuttgart, Köln und Bremen – sind keinesfalls so einfach durchmarschiert, sondern sind alle im Saisonverlauf trotz Happy End das eine oder andere Mal gestrauchelt. Den punktefressenden Über-Absteiger gab es seit Erfindung des Bundesliga-Abstiegs, so weit ich mich zurückerinnern kann, noch nie.
Noch nicht mal wir Lauterer waren damals ein solcher Wiederaufstiegs-Überflieger – Anno 1996/97 mit einer komplett zusammengebliebenen Bundesliga-Mannschaft. Auch wir haben uns damals zum Beispiel zu Hause gegen Unterhaching blamiert und nur 0:0 gespielt. Mit Kadlec, mit Brehme, mit Kuka, mit Marschall, mit Wagner und wie sie alle hießen. Auch bei uns waren es am Ende „nur“ 68 Punkte aus 34 Spielen. Da war in den gut 30 Jahren seit Einführung der 3-Punkte-Regel manch ein weniger namhafter Aufsteiger punktemäßig stärker unterwegs als wir.
Also vergesst doch einfach die Mär von der „Übermannschaft Wolfsburg“. Sie wird sich nicht bewahrheiten – egal, ob ihnen am Ende der Wiederaufstieg gelingt oder nicht: Die raue Zweitliga-Luft wird ihnen trotzdem das eine oder andere Mal unkomfortabel um die Nase wehen. Gern auch gleich am ersten Spieltag.
Was hinzu kommt ist: Da sind immer noch etliche Spieler in der Truppe, die noch darauf warten, dass irgendein Erstligist die magische Summe für sie zahlt und ihnen auf diese Weise Liga Zwo erspart. Prominente Namen, auf die dieses vielleicht noch zutrifft, könnten sein: Grabara, Maehle, Svanberg, Amoura, Pejcinovic – um nur einige zu nennen.
Sprich: Da ist möglicherweise noch einiges an „Aufbruchsstimmung“ in der Mannschaft, aber nicht auf eine Weise, wie man sie sich als sportlich Verantwortlicher wünscht.
Also, Leute. Lasst uns nicht über Wettbewerbsverzerrung heulen. Lasst uns auch nicht allzu sehr orakeln, wie viele Gegentore uns leidgeprüften Fans am ersten Spieltag um die Ohren fliegen werden. Lasst uns einfach daran glauben, dass alles möglich ist und dass der Spielausgang noch völlig offen ist.
Ja, und vielleicht, wer weiß… vielleicht wiederholt sich Fußball-Geschichte ja 30 Jahre nach dem ersten gemeinsamen Aufstieg noch einmal und die zwei gleichen Mannschaften schreiben erneut Fußball-Geschichte. Ein großer Favorit, der es schafft – und ein Außenseiter, mit dem keiner zuvor gerechnet hat. Nur, dass die Rollen von damals dann vertauscht wären.
AUFSTELLUNGEN (natürlich ohne irgendwelche Zu- und Abgänge, die im Wochenverlauf noch folgen könnte)
Zielinski - Kumbedi, Wahl, Vavro, Maehle – Vini Souza, Rexhbecaj – Damar, Reese – Hornby, Glatzel
Krahl – Elvedi, Gyamfi, Rasmussen – Asta, Haas – Kunze, Schramm – Skyttä – Berisha, Kanaté class 'football-news'
